Die Frühjahrskur

Vierter Teil: Die Darmreinigung

Kommen wir zum Kernstück der inneren Reinigung: Der Darmreinigungskur. Wir reden nicht gerne über unseren Darm, seine Bewegungen, Geräusche und Endprodukte. Dabei ist der Darm Sitz unserer Gesundheit und unseres Immunsystems und sollte wesentlich mehr positive Aufmerksamkeit erhalten. Zumindest einmal im Jahr sollte ihm diese im Rahmen einer Darmreinigung geschenkt werden. Doch wie genau funktioniert unser Darm eigentlich und wie können wir ihn unterstützen? Diese Fragen soll der Artikel klären und dich über eine Darmsanierung hinaus über die Möglichkeiten aufklären, deinen Verdauungstrakt liebevoll in seiner Tätigkeit zu unterstützen.
Nährstoffe aufnehmen und Unverdauliches ausscheiden, das ist die Funktion des Darms. Ziemlich eindeutig. Doch erst wenn eine Darmsanierungskur durchgeführt wird, kommt zum Vorschein, dass er nicht immer alles Unverdauliche wieder ausspuckt. Bei intensiven Darmreinigungen kommen oftmals Gegenstände zum Vorschaun, die in der Kindheit verschluckt wurden und sich in den Schlingen der Darmwände festgesetzt haben. Doch auch wenn wir keine Murmeln und Pfennigmünzen im Darm haben, kann sich im Darm so einiges verstecken, was nicht unbedingt förderlich für unsere Gesundheit ist.

Wenn der Darm träge ist, lagern sich Rückstände aus der Nahrung an. Fäulnis- und Gärprozesse setzen ein und lassen eine sogenannte Dysbakterie entstehen, eine gekippte Darmflora. Darmflora ist eigentlich falsch, denn Bakterien sind keine Pflanzen. Das Mikrobiom, wie es richtig heißt, besteht aus Millionen und Abermillionen Bakterien – in einem Gramm finden sich mehr Bakterien als es Menschen auf der Erde gibt. Nun gibt es „gute“ und „schlechte“ Bakterien und Ziel einer Darmreinigung sollte es nicht nur sein, den Darm zu entlasten, sondern auch die schädlichen Bakterien auszuhungern, sodass die förderlichen die Führung übernehmen können. Unseren Darm sollten wir nicht nur im Rahmen einer Frühjahrskur unterstützen sondern regelmäßig da die Darmgesundheit in direkter Beziehung zu unseren allgemeinen Gesundheit steht. Die dort angesiedelten Bakterien haben einen massiven Einfluss auf unser Immunsystem, denn über zwei Drittel unserer Immunzellen sind im Darm angesiedelt. Zwei Drittel, das muss man sich kurz vor Augen führen. Die „guten“ oder auch helfenden Bakterien in unserem Verdauungstrakt stellen obendrein Vitamine (Vitamin B und K) und gesunde Fettsäuren her und sind Trainer für unser Immunsystem. Man kann noch einen Schritt weiter gehen und den Zusammenhang zwischen der Darmbewegung, der sogenannten Peristaltik und unserem emotionalen Erleben betrachten. Im Bereich der Biopsychodynamischen Therapie nach Gerda Boyesen wird dieser Korrelation beispielsweise die Beachtung geschenkt, die sie meiner Meinung nach verdient.

Also, wie können wir nun unseren Verdauungstrakt im Rahmen einer Reinigungskur auf Vordermann bringen? Ganz allgemein ist es erstmal wichtig viel zu trinken und für ausreichend Bewegung zu sorgen. Außerdem ist eine ballaststoffreiche Ernährung essentiell aber dazu später noch mehr. Darüber hinaus können wir unseren Darm entlasten, sprich entleeren. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten: die mechanische Reinigung, also die chemische Entleerung durch Abführmittel (sogenannte Laxanzien) oder die geförderte Darmentleerung durch Quellmittel. Außerdem kannst du deinen Verdauungstrakt mit verschiedenen natürlichen Mitteln reinigen, durch welche Schadstoffe und Ablagerungen gebunden und abtransportiert werden.

Abführmittel

Laxanzien oder auch Hydragoga wirken chemisch und sollten nicht dauerhaft eingenommen werden. Sinn ist eine beschleunigte oder intensivere Entleerung als üblich (ca. 8 Stunden), damit wir das Organ entlasten und uns um den Wiederaufbau des Mikrobioms kümmern können. Das ist nicht zwingend nötig, für viele Menschen aber eine Erleichterung und Unterstützung einer Reinigungs- bzw. Fastenkur oder als Abhilfe bei akuter Verstopfung. Wie immer stehen uns pflanzliche Mittel zur Verfügung. Meistens enthalten sie Anthranoide, die auf die glatte Muskulatur des Dickdarms wirken und die Motilität erhöhen. Sie sorgen dafür, dass mehr Flüssigkeit in den Darm gelangt und weniger resorbiert wird. Dadurch wird der Stuhl aufgeweicht und es kommt zu einer Volumenzunahme. Aber Anthranoide reizen auch die Schleimhaut und führen zur Gewöhnung weshalb sie der Darm irgendwann ständig benötigt. Folgende Pflanzen sollten daher nur kurzzeitig angewandt werden:

Aloe (Aloe Vera)

Eine Aloe Pflanze auf der Fensterbank stehen zu haben, ist grundsätzlich eine gute Idee, da die Heilpflanze so vielseitig einsetzbar ist. Zur Hautpflege oder Behandlung von Sonnenbränden eignet sich das Fruchtfleisch der Pflanze ausgezeichnet. Aber die im Pflanzensaft enthaltenen Anthranoide sind auch ein starkes Abführmittel sobald sie in höheren Dosen zugeführt werden. Da sie allerdings nicht nur abführend und peristaltikanregend sondern auch menstruationstreibend und abortiv wirken, sollten schwangere Frauen lieber die Finger von Aloe lassen, auch wenn die Verdauung gerade in der Schwangerschaft oft träge ist.

Faulbaum (Frangula alnus)

Selbiges gilt für die Faulbaumrinde, die zwei Jahre gelagert werden muss, bevor sie verwendet werden kann. Frische Rinde würde die Schleimhäute zu stark reizen und evtl. Brechreiz verursachen. Kurzzeitig eingenommen als Tee, Pulver, Tinktur oder Trockenextrakt kommt es auch hier zur verstärkten Darmentleerung durch die enthaltenen Anthranoide. Den Namen erhielt der Faulbaum übrigens aufgrund seines lieblichen Geruchs.

Rhabarber (Rheum palmatum)

Der medizinische Rhabarber wirkt in geringer Dosis (01,-0,3g) stopfend, in höherer (ab 1,0g) ist er ein dickdarmwirksames Abführmittel. Neben den adstringierenden (zusammenziehenden) Gerbstoffen finden wir  auch hier Anthranoide. Auch der Medizinalrhabarber darf nur kurzfristig eingenommen werden da es sonst zu Gewöhnungseffekten und Elektrolytverlust kommen kann.

Sennes (Senna alexandria)

Das stärkste abführende und peristaltikanregende Phytotherapeutikum stellt Sennes dar. Hier werden Blätter und Früchte verwendet, wobei ein Mazerat (Kaltwasserauszug) besser vertragen wird als eine herkömmliche Überbrühung mit heißem Wasser. Pulver und Trockenextrakt erhältst du in der Apotheke. Auch hier gilt Vorsicht in der Schwangerschaft und bei Kindern unter 12 Jahren.

Letztlich sind noch Trockenfrüchte, vor allem Trockenpflaumen, zu erwähnen. Allerdings ist der hohe Zuckergehalt nicht unbedingt dienlich für eine Frühjahrskur. Wenn du lieber auf Kompakt-Produkte zurückgreifen möchtest, kannst du dir einmal die Darmreinigungsprodukte auf https://www.regenbogenkreis.de ansehen. (Das ist kein affilate-link, sondern eine Empfehlung aus Überzeugung. Mit deinem Einkauf unterstützt du außerdem den Schutz des Regenwaldes.)

Mechanische Reinigung

Neben der Zuhilfenahme von pflanzlichen Mitteln können wir unseren Darm natürlich auch mechanisch reinigen. Dafür eignet sich der klassische Einlauf mit einem Irrigator, wobei Wasser in den Darm gespült wird und beim Wiederausscheiden Restbestände ausgeschwemmt werden. Fancy gibt es das ganze bei der Colon-Hydro-Therapie. Hier kannst du die abtransportierten Rückstände über eine durchsichtige Röhre begutachten, während der Einlauf für dich von einem Arzt oder Heilpraktiker durchgeführt wird.

Außerdem kannst du dir die Osmosewirkung von Wasser zu nutzen machen und eine Entleerung mit Salz provozieren. Das sehr grobe Glaubersalz kennst du vielleicht von Untersuchungen, bei denen es notwendig war, den Darm vollständig zu entleeren. Wesentlich sanfter geht das mit dem sogenannten „Saltwater Flush“. Hierbei werden zwei Liter lauwarmes gefiltertes Wasser, angereichert mit zwei Teelöffeln gutem Salz,  schluckweise getrunken und möglichst lange „drinbehalten“, bevor der stark verflüssigte Stuhl innerhalb von ein bis zwei Stunden ausgeschieden wird. Während du auf die einsetzende Wirkung wartest, bieten sich Yogaübungen wie Twists an, um die Peristaltik anzuregen. Diese Form der Darmentleerung ist schonend und leicht zuhause durchzuführen.

Natürliche Reinigung

Außerdem gibt es darüber hinaus verschiede Heilkräuter und Mineralien, die eine natürliche Reinigungsfunktion besitzen. Sie können eingenommen werden um während der gesamten Reinigungskur den Darm in der Ausscheidung von Schadstoffen und Ablagerungen zu unterstützen. Einige davon möchte ich euch gerne vorstellen.

Bärlauch (Allium ursinum)

Der „Bärenknoblauch“ (lat. „Ursus“ = „Bär“) soll auch dem Bären nach dem Winterschlaf helfen, wieder in die Puschen zu kommen, so erzählt es zumindest der Volksglaube. Um diese Jahreszeit sprießt er gerade überall und weil Mutter Natur keine Zufälle kennt, ist er für die Frühjahrskur genauso essentiell wie die anderen bereits vorgestellten Frühlingskräuter, Brennnessel und Löwenzahn. Seit der Antike wird der Bärlauch als Blutreiniger und Entgifter eingesetzt. Du solltest ihn vor allem frisch verwenden, weil beim Trocknen wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen. Um ihn haltbar zu machen kannst du die Frischpflanze einfrieren oder ein leckeres Pesto aus den Blättern herstellen. Oder die Knospen in einem Essigsud einlegen (ich veröffentliche ein Rezept wenn er blüht). Wie sein Bruder der Knoblauch, enthält auch dieses Liliengewächs Flavonoide, Alliin und Allicin. Außerdem binden enthaltene Schwefelverbindungen giftige Metalle im Darm (besonders Quecksilber) und ermöglichen dadurch deren Ausleitung. Bärlauch wirkt darmregulierend, antiseptisch, antibakteriell, antioxidativ, blutdrucksenkend und karminativ, das bedeutet blähungswidrig. Brauchen wir neben dem großartigen Geschmack noch mehr Gründe um sofort rauszugehen und Bärlauch zu sammeln?

Galgant und Gelbwurz habe ich euch schon als Cholagoga vorgestellt aber auch sie wirken als Heilpflanzen regulierend auf den Darm.

Außerdem sind alle Bitterstoffe zu empfehlen, da die positive Auswirkung auf Leber und Galle auch im Darm nicht lange auf sich warten lässt.

Quellmittel

Neben den oben genannten Heilkräutern/-wurzeln gibt es auch stuhlregulierende Quellmittel. Durch ihre Einnahme wird das Stuhlvolumen erhöht, der Dehnungsreflex gesteigert und so die Peristaltik angeregt. Kurzum, mensch muss öfter… Pflanzliche Quellmittel eignen sich zur Langzeitanwendung und werden mit viel Flüssigkeit eingenommen (mind. ein Glas Wasser auf einen EL). Leinsamen und Flohsamenschalen sind die klassischen Vertreter.

Lein (Linum usitatissimus) ist ein weit verbreitetes  Quellmittel und wird gerne bei Verstopfung eingesetzt. Es gibt braune und goldene Leinsaat, wobei der goldene Samen dem braunen qualitativ überlegen ist. Da er erst im Darm quellen soll ist es besser ihn bei der Darmkur nicht in der Tasse vorquellen zu lassen. Es gibt nur einen kleinen Aspekt zu beachten: Die enthaltenen Schleimstoffe können die Resorption anderer Medikamente verhindern weshalb diese in einem Abstand von 30-60 min eingenommen werden sollten. Für den Indischen Flohsamen (Plantago ovata), einen engen Verwandten unseres Wegerichs, gelten dieselben Richtlinien. Flohsamenschalen gibt es in unterschiedlicher Qualität in Reformhäusern und Biomärkten zu kaufen. Am besten werden Quellmittel, insbesondere Flohsamenschalen, während der Darmreinigungskur mit Heilerde zu einem Shake vermischt und täglich getrunken. 200ml Wasser werden hierfür mit jeweils einem Teelöffel Flohsamenschalen und einem Teelöffel Heilerde gemischt und sofort getrunken, sonst gibt es Pudding. Um einen größtmöglichen „durchputzenden“ Effekt zu haben, ist es wichtig danach viel zu trinken und auf die richtige Heilerde zurückzugreifen.

Mineralerde

Auf dem Markt gibt es verschiedene Heilerden mit verschiedenen Zusammensetzungen und damit Eignung für verschiedene Bereiche. Für die Reinigung des Darms eignet sich am besten Lava Heilerde, genauer Zeolith. Zeolith ist es Silizium-Mineral, das Gifte, Bakterien und Parasiten in unserem Darm bindet und mit dem Stuhl hinausbefördert. Das kann es, weil seine Struktur ein Kristallgitter aus Silizium und Aluminium aufweist, mit dazwischen liegenden Hohlräumen, in denen sich positiv geladene Kationen befinden. Dadurch ermöglicht Zeolith einen Ionenaustausch mit negativ geladenen Stoffen. Die Entionisierung geschieht mittels Adsorption, das heißt, Ionen in Mineralstoffen werden gebunden. Adsorption ist nicht zu verwechseln mit Absorption. Die Bestandteile werden nicht aufgenommen sondern „haften“ nur an. Dadurch können Säuren, entzündungsfördernde Stoffe, Gifte und Stoffwechselrückstände effektiv gebunden werden. Außerdem wirkt Zeolith antimykotisch, bindet also auch Darmpilze und transportiert diese ab und ist stark antioxidativ. Für unsere Darmreinigung ist besonders praktisch, dass auch Ammoniak und Methangase gebunden werden. Auch wirkt die Mineralerde bei der Detox-Kur wie ein Blut-Filter, denn ausgeschiedene Gifte werden im Darm gebunden und können so nicht über die Darmwände in den Blutkreislauf gelangen. Wenn du jetzt beim Lesen dachtest: „WTF, Aluminium?!“ so sei beruhigt, denn gerade Klinotilolith Zeolith besitzt besonders viel Silizium und das enthaltene Aluminium löst sich auch in sauren Umgebungen wie dem Magen nicht aus der Struktur und wird also nicht vom Körper aufgenommen. Da Zeolith weder Nahrungs- noch Nahrungsergänzungsmittel ist, sollte beim Kauf von Zeolith auf das CE-Zeichen und eine mittlere Körnung (10µm) geachtet werden. Kleinere Körner könnten über die Darmschleimhaut in den Organismus gelangen und größere binden Schadstoffe nicht derart effektiv. Eine Alternative zu Zeolith stellt das Schichtgestein Bentonit dar. Für den normalen Gebrauch kannst du auch Bentonit verwenden, aber bei der Darmreinigung würde ich Zeolith empfehlen, da die Entgiftungswirkung wesentlich stärker ist. Beide Mineralerden können auch bei Durchfall angewandt werden, da sie überschüssiges Wasser binden. Und auch bei Kater helfen die Heilerden, zumindest gegen die Vergiftungserscheinungen des Organismus.

Chlorella Alge

Ein weiteres hervorragendes Gift-Binde-Mittel ist die Chlorella Alge. Der Chlorophyll Gehalt ist in der Alge höher als in jeder anderen Pflanze, die jemals untersucht wurde.

Außerdem enthält sie massenweise Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren und Enzyme. Grund genug also, die Chlorella Alge in deinen Nährplan aufzunehmen aber für die Darmsanierung ist ihre herausragende Fähigkeit entscheidend, Gifte zu binden und auszuleiten.

Schwefel

Von Dr. Karl Probst wird eine Schwefel-Kur zur Darmsanierung empfohlen um hartnäckige Restbestände aus dem Darm zu holen. Da sie sehr umstritten ist, möchte ich sie hier nur erwähnen, du findest aber sehr viel Information dazu in seinen Büchern oder Interviews die mit ihm geführt wurden. Nur so viel: während der ersten Zeit der Kur mit anorganischem Schwefel bist du vielleicht nicht unbedingt gesellschaftsfähig, da deine Blähungen sehr stark nach faulen Eiern riechen könnten. Nicht jedermanns Sache…

Ok, jetzt haben wir einen blitzsauberen Darm, der nur darauf wartet, von guten Bakterien besiedelt zu werden. Wie bekommen wir diese nun in unseren Verdauungstrakt?

Prä- und Probiotika

Seit in der 1940er Jahren Antibiotika zur Behandlung von Tuberkulose entdeckt wurden haben sie einen massiven Vormarsch erlebt. Heute werden so schnell und so großzügig Antibiotika verteilt und zusätzlich an „Nutztiere“ vergeben, dass wir kaum noch auf Antibiotika reagieren wenn wir auf sie angewiesen sind. Jährlich müssen wir gerade in  Krankenhäusern Todesfälle durch multiresistente Keime verzeichnen. Multiresistent bedeutet, dass die Erreger auf keine herkömmlichen Antiobiotika mehr reagieren. Ich selbst hatte mal einen hartnäckigen MRSA Virus und wünsche das niemandem. Es gibt zum Glück eine Vielzahl an pflanzlichen Alternativen, sogenannten Phytobiotika, auf die wir zurückgreifen können aber dazu an anderer Stelle mehr. Warum rede ich aber über Antibiotika? Nun anti-biotika, richten sich wörtlich übersetzt gegen das Leben. Einmal eingenommen töten sie nicht nur die pathogenen Bakterien in unserem Körper, sondern auch jene, die für uns in unserem Darm jeden Tag so wertvolle Arbeit leisten. Das gegenteilige Pendant hierzu stellen Probiotika dar, pro = für und bios = Leben. Mit der Einnahme von Probiotika führen wir uns also helfende Bakterien zu, die uns vor krankmachenden Bakterien schützen. Produkten, die viele Probiotika enthalten, wie Joghurt, Sauerteig, Käse, Ayran oder in Asien Kombucha, Tempeh oder Miso machen sich diese schützende Wirkung für die Lagerungs- und Transportmöglichkeiten seit jeher zunutzen. Hier werden die Produkte haltbar gemacht indem die im Fermentationsprozess entstehenden Probiotika sie vor den fäulniserregenden Bakterien schützen.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist der Darm als Sitz unserer Gesundheit schon seit langem anerkannt, was vielleicht ein Grund für den vergleichsweise hohen Konsum an fermentierten Produkten im asiatischen Raum sein könnte. Mit der Einnahme von Probiotika nehmen wir lebende Mikroorganismen bzw. Bakterienstämme auf, die sich ansiedeln und einen Sicherheitsdienst gegen schlechte Bakterien darstellen indem sie abschirmen oder ihnen die Nahrungsgrundlage klauen. Wir schaffen ein„saures“ Milieu, in welchem die Ansiedlung schlechter Bakterien verhindert wird. Die Natur ist so verdammt clever, dass Babys ihre erste Portion Probiotika gleich mit Muttermilch aufnehmen und so ein gesundes Immunsystem entwickeln können. Fehlt ihnen diese Kur, haben Bakterien ein leichteres Spiel, was sich zum Beispiel an häufigerem Durchfall zeigt. Nachdem wir als Erwachsene nicht so gut an Muttermilch rankommen, sollten wir häufig auf probiotische Lebensmittel zurückgreifen. Hierfür eignen sich neben den oben erwähnten vor allem milchsauer vergorenes Sauerkraut und natürlich hergestellter Apfelessig. Das Sauerkraut ist leicht erhältlich oder selbst herzustellen, lecker und bekömmlich, da das Kraut durch die Enzyme vorverdaut wurde. Bei der Zubereitung solltest du darauf achten, das Kraut (sowie andere Fermentprodukte) nicht über 47°C zu erhitzen, sonst können die Bakterienstämme nicht überleben.

Vor allem nach der Einnahme von Antibiotika sollten unbedingt Probiotika eingenommen werden und zwar über einen Zeitraum von drei Monaten. Nur so kann gewährleistet werden, dass sich wieder genug helfende Bakterien ansiedeln, die durch das Antibiotikum abgetötet wurden.

In letzter Zeit wird auch die Rolle sogenannter Präbiotika immer häufiger betont. Präbiotika sind im Prinzip Ballaststoffe, nur noch mal eine Spur krasser. Ballaststoffe nennen wir alles was unverdaulich für den Dünndarm ist und wieder ausgeschieden wird. Ballaststoffe sind dabei alles andere als Last, vor allem für unsere Darmmikroben. Außerdem sind sie für die Peristaltik von äußerster Relevanz weil sie die Füllmenge erhöhen. 30g Ballaststoffe sollten wir täglich essen, die meisten Europäer kommen auf die Hälfte. Wir finden die unverdaulichen Fasern in allen Gemüse- und Obstsorten. Ballaststoffarm sind hingegen raffinierte Weißmehlprodukte wie Pizza oder Pasta. Zwar besitzt auch Fleisch Fasern, allerdings ist es wesentlich einfacher den Ballaststoffbedarf mit einer pflanzenbasierten Ernährung zu decken. Darüber hinaus ist eine proteinreiche Ernährung ebenfalls kritisch, da anstelle der Fermentierung von Ballaststoffen eine Vergärung der Proteine stattfindet. Dadurch entstehen gefährliche Stoffwechselendprodukte welche die Darmzellen reizen wie zB Ammoniak, Phenole und Indole.

Ok, und jetzt zu den Präbiotika. Hierbei handelt es sich um nicht verdaubare Kohlenhydrate die nur von guten Bakterien gegessen werden. Pathogene Bakterien können mit Präbiotika nichts anfangen. (Ja, wirklich! Wahnsinn, oder?)  Präbiotika sind damit die mächtigsten Werkzeuge um gute Darmbakterien wie Bifidobakterien oder Lactobazillen zu fördern. Wir finden Präbiotika hauptsächlich in Wurzelgemüsen, wie Chicorée-Wurzel, Pastinake, Topinambur oder – und was blüht im Frühling überall und ist leicht zu finden? – Löwenzahnwurzel. Auch in Liliengewächsen wie Zwiebel und Knoblauch kommen sie vermehrt vor, ebenso wie unserem Frühjahrsfreund Bärlauch. Inzwischen gibt es Präbiotika auch isoliert zu kaufen, wie z.B. Inulin, gewonnen aus der Chicorée-Wurzel.

Ich weiß, das war jetzt ganz schön viel Info und vielleicht erscheint dir die eine Darmreinigung in Eigenregie zu kompliziert. Eine komplett auf Darmsnierung angelegte Kur bietet die Mayr-Kur, die von dem österreichischen Arzt Franz Xaver Mayer konzipiert wurde. Mayr hat die sogenannte Milch-Semmel-Kur entwickelt, nachdem er den Zusammenhang zwischen Darmgesundheit und Wohlbefinden im Allgemeinen entdeckt hatte. Hierbei wird nach einem Zeitraum, in welchem gefastet wird und nichts außer Tee eingenommen wird, eine zeitlang nur alte Semmel eingeweicht in Milch gegessen. Den Abschluss der Kur bildet Schonkost und Ableitung durch Bittersalze über mehrere Wochen. Die Mayr-Kur erfordert viel Disziplin und wird deswegen gerne im Rahmen eines Aufenthalts in einer entsprechenden Klinik oder Wellness-Einrichtung durchgeführt. Dadurch ist zwar möglich, der Eigenverantwortung zu entgehen, aber so eine Wellness-Kur ist natürlich auch nicht gerade billig.

 

Gerade im Rahmen einer Frühjahrskur finde ich es ratsamer, den Darm schonend zu Hause zu reinigen, da so auch die anderen Entgiftungsprozesse wie Entschlackung, Entwässern und Leberentgiftung miteingebaut werden können. Egal für welchen Weg du dich entscheidest, gönn deinem Darm hin und wieder eine Schonkur, nicht nur im Frühjahr. Du wirst die positiven Auswirkungen an einem klareren Geist und einem strahlenden Teint binnen kurzer Zeit ablesen können.

 

Ich wünsche dir frohes Entgiften!

Alles Liebe

Janna Raphaela