Allgemein

Die Frühjahrskur

Zweiter Teil: Entwässern

Unser Harnapparat ist ein richtiges kleines Kraftwerk und maßgeblich an der Regulation des Wasser- und Mineralstoffhaushalts in unserem Körper beteiligt. Die Hauptaufgabe unserer Nieren besteht in Blutdruckregulierung durch die Bildung von Blut und dem Konstanthalten der Elektrolytkonzentration in unserem Blut durch die Bildung und Ausscheidung von Urin. Unerwünschte wasserlösliche Stoffe wie Harnsäure werden über die Harnblase und Harnröhre effizient ausgeschieden. Hier wird also der hydrophile Teil der Entgiftung übernommen, während fettlösliche Stoffe über Darm und Leber ausgeschieden werden. Die Nieren arbeiten mit Hochleistung: Sie werden jeden Tag von 1.500 Litern Flüssigkeit durchspült und scheiden ungefähr 1,5L aus. Dabei sollten wir sie unbedingt unterstützen, gerade jetzt im Frühjahr.

Um unseren Harnapparat und vor allem die Nieren in ihrer Tätigkeit zu unterstützen ist es natürlich gerade während der (Frühjahrs-)Kur wichtig genug zu trinken. Dass hier Wasser und nicht Saft oder gar Kaffee gemeint ist, versteht sich von selbst. Dabei solltest du darauf achten, dass das Wasser hochwertig und rückstandsfrei ist, wenn möglich noch energetisiert. (Mehr dazu findest du hier) Im Grunde genommen ist das vermehrte Trinken von energiereichem Wasser bereits eine Kur für sich und unterstützt uns dementsprechend in Reinigungsphasen. Schon bei normalem Betrieb brauchen wir mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag um alle Schlacken abzutransportieren, bei schweißtreibenden Tätigkeiten entsprechend mehr. Gerade wenn du eine Darmsanierung mit z.B. Flohsamen vornimmst, ist es wichtig viel zu trinken, da sonst der umgekehrte Effekt eintreten kann und du verstopfst. In der Ayurveda-Medizin wird warmes bis heißes Wasser empfohlen, das schluckweise über den Tag verteilt getrunken wird. Durch das Kochen würden die Cluster-Strukturen des Wassers zerstört und diese formieren sich anscheinend im Körper erst neu wobei sie Giftstoffe und Säurereste anziehen. Die Ayurvedis schlagen vor, die einfache Form der Reinigung nicht nur auf Reinigungskuren zu beschränken, sondern regelmäßig durchzuführen.

Ob heiß oder kalt, trinken ist elementar bei Ausleitkuren und die Ausscheidung über die Nieren essentiell für den Erfolg einer solchen. Aber auch hier gibt es freilich wieder wunderbare pflanzliche Hilfsmittel, die deine Nierentätigkeit so richtig ankurbeln und die Diurese unterstützen.

Aquaretika und Diuretika

Als Aquaretika (lat. Aqua = Wasser) werden alle Pflanzen bezeichnet, die für eine Durchspülungstherapie eingesetzt werden und damit auch Verwendung in der Therapie von Harnwegserkrankungen finden. Manche davon habe ich euch bereits in dem Artikel zur Entschlackung vorgestellt da sich die Einsatzgebiete überschneiden.

Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense)

Vor ca. 400 Mio. Jahren, lange bevor wir Menschen die Erde besiedelten, bedeckten riesige Schachtelhalmwälder die Erde. Der Ackerschachtelhalm stammt von diesen Riesen ab und stellt durch seinen hohen Kaliumgehalt das stärkste Diuretikum überhaupt dar. Da man ihn früher zum Reinigen von Zinn hergenommen hat wird er auch Zinnkraut genannt. Seine stark harntreibende Wirkung entfaltet er als Tee oder Tinktur aber auch als Salbe und Wickel. Zinnkrautsaft erhältst du in Bioqualität im Reformhaus. Wenn du ihn selbst sammeln möchtest, ist die Zeit dafür von Mai bis August. Allerdings ist Vorsicht geboten, da er mit giftigem Sumpfschachtelhalm verwechselt werden kann. Wenn du dir nicht ganz sicher bist, solltest du lieber auf Fertigpräparate zurückgreifen. Der Ackerschachtelhalm ist übrigens auch ein starkes Bindegewebsmittel, da er so viel Kieselsäure enthält. Der positive Effekt auf die Haut lässt sich in Cremes oder Bädern nutzen. Für mich haben bei Blasenentzündungen Sitzbäder mit Ackerschachtelhalm schon wahre Wunder bewirkt.

Echte Goldrute (Solidago virgaurea)

Solidago ist ein ähnlich starkes Diuretikum. Bei uns kommt die kanadische Goldrute viel häufiger vor, die im 19ten Jahrhundert nach Europa eingeschleppt wurde. Beide enthalten Flavonoide, Gerbstoffe, Saponine und ätherische Öle und regen sanft die Urinproduktion an. Allerdings enthält nur die echte Goldrute das Phenylglykosid Leiocarposid, das Schmerzen lindert und Entzündungen hemmt. Goldrute kann als Tee und Tinktur eingenommen werden. Aufgrund des aquaretischen Effekts wird die Goldrute bei Harnwegsinfekten und Störungen des Bewegungsapparats wie Rheuma und Gicht eingesetzt.

Brennnessel (Urtica dioica/urens)

Der Gattungsname „Urtica“ leitet sich vom lateinischen Wort „urere“ ab, was „brennen“ bedeutet. Die positiven Auswirkungen als Antidyskratika und Stoffwechsel-Pusher habe ich hier schon ausgiebig dargestellt. Die Harnsäureausscheidung wird durch die Brennnessel so verstärkt, dass sie gerne bei Krankheiten des rheumatischen Formenkreises eingesetzt wird. Um die diuretische Wirkung zu verstärken können wir die Traditionelle Chinesische Medizin mit einbeziehen: Nach der Organuhr ist die Niere besonders aktiv zwischen 17 und 19 Uhr. Schon ca. zwei Stunden vorher ist es sinnvoll, sich richtig durchzuspülen, Brennnesseltee eignet sich dafür besonders gut. Auch der frische Saft der Brennnessel (Fertigpräparate erhältlich) ist für eine Frühjahrskur empfehlenswert. Dafür beginnt man mit ca. drei Teelöffeln und steigert die Dosierung bis zum Ende der Kur auf zehn Teelöffel. Achtung: Den Frischpflanzensaft unbedingt mit Wasser verdünnen (mindestens 1:5). Während einer Brennnessel-Kur ist es besonders wichtig viel zu trinken, da sonst der Kreislauf durch die Erhöhung der Harnmenge in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

Birke (Betula pendula/pubescens)

Auch die Birke haben wir schon besprochen. Es gibt noch einiges das erwähnenswert wäre bei der Birke, vom ältesten Kaugummi unserer Region über die auf ihr wachsenden Heilpilze, wie Chaga oder der Zunderschwamm, den unsere Vorfahren zum Entfachten von Feuer nutzten. Die Birke war ein gallischer Baum, der den Römern gänzlich unbekannt war. Auch interessant ist, dass die alten vermischen Texte auf Birkenrinde geschrieben sind. Aber wir sind ja hier beim Thema Diurese und deswegen vielleicht nur noch ergänzend zu ihrer Beschreibung als Antidyskratikum: Salicylsäure, Gerbstoffe, Vitamin C, Saponine und Flavonoide schwemmen ordentlich aus und transportieren Verunreinigungen ab. Der Nierenbaum Birke sorgt dafür, dass wir bei einer Kur mit Birkenblättertee ca. 15% mehr Urin ausscheiden. Dafür werden täglich 2-3L dünner Tee über zwei Wochen getrunken.

Löwenzahn (Taraxacum officinalis)

Und auch der Löwenzahn wurde schon als Antidyskratikum erwähnt. Wurzel und Kraut haben ein unglaublich breites Wirkspektrum. Alle ausscheidenden Organe werden ordentlich angeregt und durch die Bitterstoffe kommt der Stoffwechsel in Schwung. Also, keine Frühjahrskur ohne Löwenzahn. Dafür kannst du auf Kraut- oder Wurzel-Tee, Tinktur, oder Frischpflanzensaft zurückgreifen. Auch der Saft des Löwenzahns muss verdünnt werden und kann prima mit dem der Brennnessel vermischt werden. Du kannst aber auch einfach während der Blütezeit frische Löwenzahnstängel bei einem Spaziergang pflücken und essen, wobei der Boden hierfür natürlich möglichst unbelastet sein sollte. Zum Schluss vielleicht noch ein kleiner Fun-Fact: Der diuretische Effekt ist beim Löwenzahn so stark, dass er in verschieden europäischen Sprachen dafür eher unschöne Beinamen erhielt, wie im Französischen pissenlitoder im Englischen piss-in-bed

Zu den Aquaretika zählen auch Petersielie (Petroselinum crispum) und Wachholder (Juniperus communis), wobei beide nicht angewandt werden sollten wenn eine Niereninsuffizienz oder entzündliche Nierenkrankheiten vorliegen. Da beide Heilpflanzen auch abortiv wirken, sollten Schwangere vorsichtig in der Anwendung sein. Bei der Petersilie gilt dies vor allem für die Samen. Auch die Schafgarbe (Achillea millefolium) könnte hier aufgeführt werden, passt für mich aber besser in die nächste Kategorie, Leberentgiftung, womit sich der nächste Artikel beschäftigen wird.

Nach den frühlingshaften Temperaturen des vergangenen Wochenendes fallen gerade wieder sanfte Schneeflöckchen vor meinem Fenster und so habe ich wohl genug Zeit, die Thematik ausführlich auszubreiten, bevor der Frühling so richtig beginnt.

Alles Liebe,

Janna Raphaela