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Die Herbst-Tagundnachtgleiche

Ich sitze am Fenster und die goldenen Birkenblätter fallen gleichmäßig auf den Boden. Langsam wird es kälter, das saftige Grün wird von Purpurrot und Lila abgelöst. Im Morgennebel glitzern kunstvolle Spinnennetze. Um mich herum scheint ein gold glänzendes Licht…
Es ist die Zeit der Herbst-Equinox, die 2018 auf den 23. September fällt und zwar, um genau zu sein, auf 03:54 Uhr morgens. An diesem Datum sind Tag und Nacht im Gleichgewicht, Hell und Dunkel sind ausbalanciert. Fortan sind die Nächte länger als die Tage und die Kraft der Sonne wird schwächer. Der Herbst ist da!
Die Zeit der Tag- und Nachtgleiche im Herbst wird traditionell zwischen 21. und 23. September gefeiert und oft als Mabonbezeichnet. Dieser Name ist allerdings erst seit den 70er Jahren gängig und durch Aidan Kelly, dem Autor diverser Wicca-Bücher geprägt. Ein walisischer Name für dieses Fest ist Alban Elued bzw.Alban Elfed, das lichte Wasser. Es gibt in Europa verschiede Traditionen des Erntedank-Festes, bei dem meist eine rituelle Opferung des Ernteanteils auf den Feldern zurückgelassen wurde.

Ich liebe Jahreskreisfeste und das dritte Ernte-Fest des Jahres ist mein Lieblingsfest. Ich liebe den Herbst, ich liebe die Farben und ich liebe alles was mit Kürbissen zu tun hat!
Auch ist mir das Mabon-Thema der Reflektion sehr lieb und ich empfinde es als ungemein heilsam. Ich komme aus einer jüdischen Familie und direkt nach dem jüdischen Neujahrsfest Rosh Hashana, Anfang September, liegt der Feiertag Yom Kippur: der Tag der Bilanzierung und Sühne. Man sagt, was an Neujahr manifestiert wird, wird an Yom Kippur versiegelt.

Mir erschien es schon immer logischer, das Jahr zu verabschieden, wenn auch die Natur die Verwandlung und den Rückzug beginnt und wir können parallel zu ihr hier einen stillen Wendepunkt erleben. Denn die Herbst Tag- und Nachtgleiche wird mit Balancierung, Harmonisierung und Wandel in Verbindung gebracht. Diese Zeit steht für Entspannung nach den Aktivitäten in den Sommermonaten. Auch Überfluss ist ein Thema: Die Ernte ist eingeholt und wird verwertet. Die Vorratskammern sind gefüllt und wir konservieren die Reichhaltigkeit des Sommers in unseren Einmach- und Marmeladengläsern. Wir können dankbar Abschied nehmen und den Rückzug antreten, den Rückzug in unsere Häuser sowie den Rückzug nach Innen. Gleichsam wie die Natur können nun auch wir an einen Gleichgewichtspunkt gelangen, indem wir innehalten und Bilanz ziehen. Wir können unser Gesättigtsein nach dem Sommer spüren, die reiche Fülle, die er uns beschert hat. Wir können um diese Jahreszeit dankbar auf das Erreichte zurückzublicken, die Veränderung annehmen und verabschieden, was reif ist zu gehen. Was für Wünsche hatten wir zu Beginn des Jahres, welche Pläne und Visionen? Welche Samen haben wir gesät und was konnten wir nun ernten? Die Natur beginnt ihre Transformation und so können auch wir unseren inneren Wandel für das kommende Jahr manifestieren.

Aus der Welt der Mythen gehört in diese Zeit des Übergangs die Geschichte von Demeter, der griechischen Erntegöttin, die auf der Suche nach ihrer von Hades in die Unterwelt entführten Tochter Persephone, voll Schmerz ihren grünen Umhang zerreist, und zur goldenen Göttin wird. Alle Pflanzen verlieren daraufhin ihre Fruchtbarkeit und welken. Erst im Frühling kommt die Tochter zurück auf die Erde und die Natur erblüht in neuer Kraft. Der römische Mythos von Ceres und Proserpina ähnelt dem eleusinischen stark. Aber auch Morgaine und Baba Jaga gehören zu dieser Zeit, genau wie die Herbstgötinnen Annapurna oder Mamapacha. Von den männlichen Gottheiten werden Thor, Hermes und der grüne Mann zur Herbst-Equinox gezählt.

Wenn du Mabon feiern möchtest, gibt es dafür einige schöne Rituale:

  • Du könntest eine Dankbarkeitsliste schreiben und dir so all deiner Segnungen bewusster werden.
  • Du kannst einen Altar oder dein Haus mit den entsprechenden Gaben der Natur dekorieren. Das könnten Nüsse, Granatäpfel, Beeren, Äpfel, Eicheln, Kürbisse und Kastanien sein. Auch alle Edelsteine die der Sonne zugeschrieben werden sind gut geeignet, wie (Rosen-)Quarz, Zitrin oder Aventurin. Alles goldene, braune, violette, gelbe und orangene ist gut geeignet.
  • Im Jahreskreis wird der Herbst dem Westen und somit dem Wasser zugeordnet. Du könntest einen Regenspaziergang machen und die feuchte, kühle Luft ganz bewusst ein- und wieder ausatmen. Oder du könntest ein Gewässer in deiner Nähe aufsuchen und dort meditieren oder der Wesenheit des Wassers eine Opfergabe bereiten. Anregungen dazu findest du hier.
  • Speisen und Getränke mit Zimt sind jetzt stimmig und wohltuend. Zimt wird dem Jupiter und der Sonne zugeschrieben.
  • Da zur Herbst-Equinox die Weichen für das kommende Jahr gestellt werden, kannst du jetzt gut eine Tarot-Karte ziehen oder eine andere Methode der Weissagung wählen, die dir zusagt.
  • Zum Äquinoktikum tut alles gut, was zur Ausgeglichenheit beiträgt, auch das Ausgleichen zwischen unseren männlichen und weiblichen Anteilen.
  • Aus dem Tierreich sind der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche die Schlange und das Eichhörnchen zugeordnet. Die Schlange lehrt uns Transformation, indem sie immer wieder ihre alte Haut abstreift und sich verwandelt. Vom Eichhörnchen können wir lernen zu sammeln und Vorräte anzuhäufen, in der Zeit des Überflusses und gut hauszuhalten, in den kargen Monaten. Vielleicht möchtest du dich in einer geistigen Reise mit einem dieser Tiere verbinden. Hierfür sind auch alle Wasserlebewesen gut geeignet, da Wasser nun das vorherrschende Element ist.
  • Du könntest eine Spirale aus Äpfeln oder ein Mandala aus Blättern legen, als Dankeschön für Mutter Erde und zur Freude der Naturwesen.
  • Wenn du gerne tanzt, sind zur Tagundnachtgleiche (auch im Frühjahr) alle ausbalancierenden Tänze gut geeignet, wie zum Beispiel der Tanz der unendlichen Acht, der harmonisierend auf das System wirkt. Auch ein Krafttiertanz in Verbindung mit der Schlange kann jetzt gut passen, probiere dich einfach einmal aus…
  • Wenn du räuchern möchtest ist jetzt die Zeit des getrockneten (weißen) Salbeis, des Rosmarins und der Myrrhe. Auch Nelke und Zimt passen am Herbstanfang bereits gut.
  • Wenn dir das alles zu okkult ist, kannst du einfach einen schönen Apfelkuchen backen oder einen Hausputz veranstalten und alles was liegen geblieben ist sortieren. Da wir uns astrologisch im Übergang vom Jungfrau- in das Waage-Sternbild befinden, wird dir das jetzt besonders leicht fallen.
  • Du könntest auch Fotos des vergangenen Jahres einkleben oder ordnen und in den Erinnerungen schwelgen.
  • Auch ganz erdverbunden kannst du Äste und Laub an einer Stelle in deinem Garten aufschichten, um Kleintieren einen Unterschlupf zu bieten.

Hier ist ein Foto von meiner Mabon Dekoration als kleine Inspiration…

Ich wünsche dir ein schönes Fest zur Tagundnachtgleiche und freue mich, wenn du mir deine Rituale in den Kommentaren hier oder in den sozialen Medien verrätst.

 

Liebe,

Janna Raphaela