Equinox – Die Frühjahrstagundnachtgleiche

Am 20. März überquert die Sonne dieses Jahr den Äquator und wir erleben mit dem Äquinoktikum den astronomischen Frühlingsbeginn. Mit der Frühjahrstagundnachtgleiche geht die dunkle Jahreszeit in die hellere Jahreshälfte über. Es ist eine Zeit voll von Spannung, eine Zeit des Ringens zwischen den dunklen Kräften des Winters und den hellen Kräften des Frühlings. Der Winter will sich noch nicht verabschieden und doch lässt sich der Frühling nicht aufhalten. Nacht und Tag sind gerade gleich lang, wir erleben zur Equinox einen Moment des Gleichgewichts. Nur zweimal im Jahr erleben wir diesen kurzen Moment der Balance und im die Themen sind jetzt genau konträr zu denen der Herbsttagundnachtgleiche.

Nun bewegen wir uns unaufhaltsam in Richtung Licht, Wärme und Wachstum. Die Kraft der Sonne ist jetzt schon spürbar, der Gesang der Vögel wird lauter und die Sträucher treiben aus, Knospen stehen kurz vor dem Ausbruch. Zarte Pflanzen kämpfen sich mit einer unvorstellbaren Kraft aus dem Erdreich ans Tageslicht. Eine unaufhaltsame Kraft die sich nach Vorne bewegt. Viriditas, die Grünkraft, wie sie Hildegard von Bingen nannte, die Kraft des Lebens. Wir können diesen Energieschub deutlich spüren, Lebenskraft und Lebensfreude kommen zurück.

Es ist die Zeit der Frühlingsgöttinnen, die uns aus unserem Winterschlaf erwecken. Es ist die Zeit der germanischen Göttinn Freya, die die freie Seite der Liebes- und Muttergöttin Frigg verkörpert. Mit ihrem federbesetzten Umhang und ihrer Bernsteinkette, die Zauberkräfte besitzt, reitet sie in einem von Katzen gezogenen Wagen durch den Himmel. Sie ist Göttin des Todes und der Unterwelt aber auch Göttin der Sexualität und Fruchtbarkeit. Sie ist Beschützerin der freien Frauen und Anführerin der Walküren. Für mich ist sie der Inbegriff weiblicher Kraft.
Die römische Minerva und die griechische Athene stehen als Frühjahrsgöttinnen nicht nur für körperliche sondern auch für geistige Fruchtbarkeit. Sie die Göttinnen der Klugheit und der Kreativität, der Wissensvermittlung und der Anwendung von selbigem. Beide Göttinnen sind hellsichtig und weise, ihr Begleittier ist die Eule.
Über eine germanische Göttin Ostara, die dem Osterfest ihren Namen gab wird viel gestritten und wahrscheinlich gab es eine solche Göttin nie. Doch in den alten matriachalischen Kulturen wurde die Vogelgöttin als Spenderin des Lebens verehrt, die neues Wachstum auf die Erde bringt. Ihr Symbol ist freilich das Ei, das als Symbol des Lebens auch beim jüdischen Pessachfest sowie dem christlichen Osterfest weiterhin Teil des Ritus ist. Lange vor der Christianisierung aller bisherigen Feste wurde die Wiederauferstehung gefeiert. Das jüdische Volk erhebt sich aus der Sklaverei und feiert seine Wiedergeburt und wahrscheinlich wurde schon lange vor der alttestamentarischen Zeit die Wiederauferstehung der Natur gefeiert. Egal in welcher Kultur wir aufgewachsen sind, das morphogene Feld wirkt immer und auch in uns steht jetzt alles auf Neubeginn. Wir wollen unsere Wintergarderobe wegpacken, wollen unser Haus putzen, uns reinigen. Wir wollen aktiv werden und handeln. Alles was wir uns vorgenommen haben, sollten wir genau jetzt anpacken, es ist der ideale Zeitpunkt für Veränderung. Die Energie des Aufbruchs, die uns überall in der Natur umgibt, unterstützt uns bei der Realisierung.

Der traditionelle Frühjahrsputz im Innen wie Außen ist ein sehr bodenständiges Ritual zu Frühlingsbeginn. Mit dem nun abnehmenden Mond ist eine Reinigungskur und Ernährungsumstellung leicht umzusetzen. Bewegung fällt jetzt leicht und macht Spaß und die Frühjahrskur kann mit den ersten Wildkräutern unterstützt werden, denn zarte Brennnessel- und Löwenzahnblätter sind bereits zu finden. Auch Bärlauch wächst jetzt schon und hilft nicht nur den Bären, den Winterschlaf zu überwinden.

Ein schöner Brauch ist auch, einen grünen Birkenzweig in Salzwasser zu tauchen, damit alle Hauseingänge besprengen und sie damit segnen und vor negativen Einflüssen schützen. Wenn du deinen Altar schmücken möchtest, dann sind jetzt Grün- und Gelbtöne passend sowie Calcit, Bernstein und Chrysopras. Dazwischen können Weiden- oder Birkenzweige stehen, auch Ginster treibt jetzt aus, wenn du ihn in eine Vase stellst.

Versuche doch einmal, den Moment der Balance, den die Tagundnachtgleiche kreiert, bewusst wahrzunehmen und dann starte durch in die Zukunft, die du für dich materialisieren möchtest. Was hält dich auf?

 

Alles Liebe,

Janna Raphaela