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Imbolc

Noch ist die Natur vielerorts von einer dicken Schneeschicht zugedeckt und die Temperaturen kreisen um den Nullpunkt. Und doch kann man jetzt schon wieder Vogelgezwitscher hören und an manchen Stellen sprießt schonneues Grün.Unmerklich steigt bereits der Saft wieder  in den Bäume. Es ist eine reinigende, erfrischende und erneuernde Zeit. Es ist die Zeit von Imbolc, dem ersten Jahreskreis-Fest des neuen Kalenderjahres. Dieses Fest hat in allen Traditionen zwei Aspekte gemein: Den der Reinheit bzw. Reinigung sowie den des zurückkehrenden Lichts.
Als eines der vier Mondfeste, markiert Imbolc den Zeitpunkt zwischen der Tagundnachtgleiche im Frühling und der Wintersonnenwende. Nach keltischer Zeitrechnung endet hier die düstere Jahreszeit und es beginnt die helle Jahreshälfte. Imbolc wird entweder 40 Tage oder am zweiten Vollmond nach der Wintersonnwende gefeiert. Heutzutage ist zwar eher die erste Variante üblich aber für mich fühlt sich der zweite Vollmond stimmiger an.

Woher kommt der Name?

Imbolc, das alte keltische Fest wird auch Oimelc genannt.Etymologisch gibt es da verschiedene Herangehensweisen: So soll Imbolc verwandt sein mit „in belly“ und daher rühren, dass die Natur noch in Mutter Erdes Bauch ruht. Oder man übersetzt den Wortteil „imb“ mit „um“ und „-folc“ mit „waschen, baden, reinigen“, damit wäre der Gesichtspunkt der Reinigung abgedeckt. Der verwandt erscheinende Name „Oimelc“ bezieht sich auf die Muttermilch der Schafe (Oi = Schaf und Melcg = Milch), denn bald werden die Frühlingslämmer geboren und die Mütter geben wieder Milch.

Jedes der Jahreskreist-Feste hat seinen ganz eigenen Spirit und lässt in uns ganz unterschiedliche Seelenanteile in Resonanz gehen. Das liegt zum einen daran, dass wir Teil der Natur sind und mit ihr zusammen wieder aufwachen. Zum anderen liegt es aber daran, dass die Jahreskreisfeste seit Urzeiten Bestandteil unseres sozialen Lebens sind und es seit sehr kurzer Zeit durch religiös verzerrte Feierlichkeiten abgelöst wurden. Wir tun sehr gut daran, diese Feste wieder in unser Leben zu holen und das gelingt ganz intuitiv. Denn jedes dieser Jahreskreisfeste ist verbunden mit Mythen, mit Sagen, mit Göttern und vor allem mit Göttinnen. Wenn du dich hingibst und loslässt wird es dir möglich sein, dich zu erinnern und durch die Identifikation mit den Wesenheiten Heilung zu erfahren. Welche Gottheit ist nun also mit Imbolc assoziiert?

Brigid – die Erhabene

Brigid ist die Göttin, die alle Gewässer in Bewegung versetzt, das Eis zum Schmelzen bringt, die Säfte in den Bäumen steigen und die Pflanzen wieder sprießen lässt. Hier treffen wir auf den Archetyp der unabhängigen und mutigen jungen Göttin mit der Freiheit und der intellektuellen Kraft der Amazone. Sie ist voller Selbstvertrauen und kämpferischer Energie. Sie steht für die Macht der Frauen und damit auch für die Emanzipation. Sie ist die Hüterin des Feuers und ihr heiliges Feuer war durch eine Hecke begrenzt durch die kein Mann gehen durfte. An Imbolc hütet Brigid ihr Feuer selbst, sonst wird es von 19 Priesterinnen gehütet. Warum gerade von 19?Nach 19 Jahren ist ein Saroszyklus beendet (Finsternis-Zyklus) und Sonne und Mond stehen wieder in selber Relation zueinander. Für jedes Jahr wurde also eine Priesterin eingesetzt. Auch viele der Steinkreise in England und Irland bestehen aus 19 Steinen. Ja, unsere Vorfahren waren nun mal stark mit den Abläufen im Kosmos verbunden…

Aber zurück zu Brigid: sie war zeitlebens mit dem Element Feuer verbunden. Lichtsäulen und Flammen haben sie begleitet, als sie „zwischen den Welten“ auf einer Türschwelle in das Leben trat. Als Kleinkind schlief sie in einem Feuermeer. Ihr Beiname „feuriger Pfeil“ traf sowohl die Erde und wärmte sie als auch die Menschen mit dem zugehörigen Erwachen der ersten Frühlingsgefühle.

Brigid ist Göttin der Dicht- und der Heilkunst und wacht über Poeten, Musiker und Künstler. Sie heilt durch Energie, durch Inspiration und Begeisterung, durch Kreativität, durch Poesie und Gesang. Brigid ist zudem auch die Patronin der Hebammen und Schutzgöttin der Gebärenden.

Außerdem ist sie die jungfäuliche Verkörperung der dreifaltigen Göttin, neben der Mutter und der Alten. Der Höhepunkt der Herrschaft dieser weißen Göttin ist zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche und dann zur Sommersonnenwende, wenn ihre Zeit vorbei ist, legt Brigid ihren Kraftstab unter einen Holunderstrauch, wo ihn Modron ergreift und alles daraufhin zu reifen beginnt. Zu Samhain wird der Stab dann wieder unter einen Holunder gelegt und Modron verwandelt sich nach einem Bad in Cailleach (oder, je nach Tradition, Percht, Cerridwen oder auch Morrigane), die Göttin des Winters. Diese gibt den Stab dann wieder an Brigid weiter und der Kreislauf beginnt von vorn.

Man sagt, dass die Hellsichtigen unter uns Brigid in der Dämmerung auf einem Hirsch reiten und sie dabei beobachten können, wie sie die Samen erweckt indem sie diese sanft berührt und die Bäume wachrüttelte, sodass die Säfte wieder zu fließen begannen. Ich muss bei dieser Vorstellung immer an Wladimir Merges Anastasia denken.Man nennt Brigid auch Lichtjungfrau, was wohl auch Anastasias Beiname sein könnte. Brigid verkörpert die Kräfte des Ostens und des neuen Morgens, weshalb du sie an entsprechender Stelle auch anrufen kannst, wenn du einen heiligen Raum eröffnest.

(Vieles von dem hier beschriebenen trifft auch auf andere Göttinnen aus anderen Kulturkreisen zu. Deshalb kann auch die mit Pfeil und Bogen bewaffnete griechische Jagdgöttin Artemis oder die afro-brasilianische Göttin Yansa mit Imbolc assoziiert werden)

Der Götterbär

Brigid, „die vom Strahlenkranz umgebene“, wird oft mit einem Bären abgebildet. Wolf-Dieter Storl schreibt: „Der Bär, der die Fruchtbarkeit bringt, und die Bienen, aus deren Waben goldgelbe Kerzen gemacht werden, sind die Lieblingstiere der weißen Brigid.“ Der Bär ist dabei kein anderer als der wiedergeborene, noch nicht als solcher erkennbare jugendliche Sonnengott Lugh. Zu Imbolc erwacht der Bär das erste Mal aus seinem tiefen Schlaf und verlässt seine Höhle um sich zu vergewissern, dass die Sonne bereits stark genug ist um ihn zu wärmen. Er frisst dem Volksglauben nach dann Bärlauch (daher kommt der Name) um seinen Organismus wieder anzukurbeln und tatsächlich hat Bärlauch eine stark reinigende Wirkung.
Vielleicht erkennst du die Parallele zu dem Märchen von „Schneeweißchen und Rosenrot“? Brigid verkörpert sowohl Schneeweißchen als auch Rosenrot und die Erdenmutter finden wir in der Figur der alten Mutter, die dem Bären im Winter Zuflucht gewährt hat. Sie entspricht in der keltischen Mystik Cailleach und bei uns eher für Frau Holle oder auch die Percht. Schön, dass unsere Mystik in Märchen weiterleben durfte, wenn auch oft wahnsinnig christianisiert.

Imbolc und die Kraft der Lebendigkeit

Imbolc steht für die wilde Energie des Frühlings, die es schafft, alles wieder zum Leben zu erwecken. Der Samen, der zu Yule gelegt wurde und in Mutter Erdes Schoß ruhte, hat dort Stärke für das kommende Jahr gesammelt und beginnt nun sich zu entfalten. Man muss sich einmal vergegenwärtigen, wie viel Energie es braucht, damit Bäume wieder sprießen oder ein Keimling durch die Schneedecke bricht. Kommt euch das bekannt vor? In den meisten von uns weicht nun ganz langsam die Lethargie des Winters und macht Raum für Kreativität und Entfaltung. Wir können uns nun mit dem Lebenswillen der Natur verbinden um Kraft zu tanken oder hineinspüren, wie es sich angefühlt hat, ein Kind oder Jugendlicher zu sein.

Bräuche zu Imbolc

Fangen wir bit den traditionellen Bräuchen an:
Wie oben erwähnt, heißt es, dass Brigid in der Dämmerung auf einem Hirsch durch die Natur reitet. Es ist daher Brauch, dass man ihr am Abend vor Imbolc Kuchen oder Brot auf das Fensterbrett legt. Vor der Tür soll man ein bisschen Milch gießen (Brigid ist sicher auch glücklich mit Pflanzenmilch).
Ein weiteres Imbolc Ritual waren Ehen auf Probe, die für ein Jahr an diesem Tag geschlossen wurden. Gar keine so schlechte Idee, wenn ihr mich fragt. Vielleicht könnten wir das wieder einführen…
Erfolgreiche Ernten waren für unsere Vorfahren lebenswichtig und so wurden die unfruchtbaren Geister der dunklen Jahreszeit durch das Verbrennen einer Strohpuppe verjagt und die Getreidesaat rituell geweiht.
Auch Feuer waren natürlich Bestandteil der Feierlichkeiten: So wurde die Wiederkehr der Sonne gefeiert und Brigids heilige Flamme symbolisch repräsentiert.

Ok aber wahrscheinlich geht es dir wie mir und dein Strohpuppen-Vorrat hält sich eher in Grenzen. Wie können wir also heute Imbolc feiern und uns mit dem Geist des Festes verbinden?

Du könntest einen kleinen Altar aufstellen, mit viel reinem Weiß, vereinzelt knospendes helles Grün, helles Gelb und Silber als Lichtsymbol.
Ganz pragmatisch können wir ausmisten und loslassen. Was brauchen wir nicht mehr von, was können wir uns jetzt befreien? Vielleicht möchtest du danach räuchern, um auch auf feinstofflicher Ebene auszumisten. Wenn alle blockierenden Energien aus allen Ecken und Winkeln des Hauses vertrieben sind, kannst du neue, helle Kräfte sowie freundliche, gute Geister zu dir nach Hause einladen. Um altes zu verabschieden du neues willkommen zu heißen, eignen sich Lavendel und Beifuß gut.

Jetzt tun wir auch gut daran uns zu reinigen und zu erfrischen. Körper und Geist sollten wieder beweglich gemacht werden und mit neuer, klarer Lebensenergie aufgetankt werden. Sauna und Bewegung im Freien fühlt sich jetzt richtig gut an und hat einen starken Effekt. Auch Bewegungs- und auch Tanzrituale können jetzt das Feuer der Begeisterung und der Zielstrebigkeit wieder in uns wecken. Du könntest auch ein schönes Lavendelbad mit vielen Kerzen machen und beim Baden in dich hineinspüren um zu fühlen, was nun in dir erwachen soll. Wofür ist die Zeit jetzt reif? Halte alles nach dem Baden in deinem Tagebuch fest oder erzähle es Brigid, wenn sich das für dich richtig anfühlt. Du kannst sie um Unterstützung für die Umsetzung deiner Pläne bitten.

Vielleicht ist es dir schon aufgefallen: Die Sonnenauf- und Untergänge sind jetzt ganz besonders magisch. Nimm dir doch die Zeit und setze dich eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang an einen Platz in der Natur, von dem aus du gut nach Osten schauen kannst. Atme tief, lass dich zur Ruhe kommen und verbinde dich mit dem Ort. Dann nimm den Wechsel des Lichts und die sich verändernden Farben ganz bewusst war uns achte auf die Empfindungen, die in dir aufsteigen.

Und dann mein Lieblingsritual: Mit der kühlen Klarheit die uns umgibt ist Imbolc der perfekte Zeitpunkt für eine Mini-Visionssuche: Geh mit nichts als Wasser und vielleicht Schreibzeug ausgerüstet an einen Platz in der Natur, bestmöglich einen Ort den du noch nicht kennst. Am besten eignen sich Orte von denen aus du einen weiten Blick haben kannst. Auf dem Weg dorthin wirst du über deine Intention klar und markierst diesen Tag als bewussten Wendepunkt. Bleibe lange in der Stille, achte auf Eindrücke, auf Gedanken und Gefühle die in dir aufsteigen. Höre das Flüstern der Natur. Vielleicht wird dir etwas geschenkt, das dir als Erinnerung dienen kann, eine Feder, ein Schneckenhaus oder ähnliches… Bedanke dich für alles was dir gegeben wird, ob Ideen, Anblicke oder Geschenke der Natur.

Letztendlich ist Imbolc auch ein perfekter Zeitpunkt für eine Fastenkur und eine Entgiftungskur. Dazu mehr in meinem nächsten Blogeintrag…

Zum Abschluss habe ich dir hier noch den Link zu einer Anrufung Brigids angefügt – vielleicht fühlt es sich für dich stimmig an den Track an Imbolc laufen zu lassen.

 

https://open.spotify.com/track/0ZXxpJxZYyJ4Xazhxhx69P?si=-Yx68cBtSsqU7RgPG8atDQ

 

Ich wünsche dir ein magisches Fest, egal wie groß oder wie klein es bei dir ausfallen mag. Wie modern oder wie traditionell. Folge deiner Intuition und genieße Imbolc so wie du es für richtig hältst.

 

Alles Liebe,

Janna Raphaela