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Erkältung – Phytotherapeutische Behandlung

Hol` die Taschentücher raus, es ist wieder soweit: Mit den sinkenden Temperaturen kommt auch die Erkältungszeit zurück. Überall hustende und sich schnäuzende Menschen um einen herum. Die Hälfte des Kollegiums ist krank. In den Apotheken sind die Schlangen lang… Doch ist es wirklich notwendig, sich mit chemisch pharmazeutischen Mitteln wieder aufzupäppeln? Nicht wirklich, denn eine Erkältung ist erstmal nichts Schlechtes und Mutter Natur liefert uns auch hier wieder einmal alles, was wir an Unterstützung brauchen. Eine Erkältung zeigt dir, dass dein Körper überlastet ist und zwingt dich, eine Pause einzulegen. Ein Selbstreinigungsprozess wird eingeleitet. Werden dann Suppressiva wie Hustenblocker eingenommen, kann dieser Prozess nicht von Statten gehen. Vielleicht bist du schneller wieder in der Arbeit, aber der positive Heilungsaspekt bleibt aus.

Bevor du richtig krank wirst, gibt es einen Haufen sekundäre Pflanzenstoffe (das sind die Pflanzenstoffe, die nicht im primären Metabolismus der Pflanze entstehen) mit denen du deinen Körper unterstützen kannst. Dazu gehören die Stoffe Alicin (aus Knoblauch), Curcumin (aus Kurkuma oder Gelbwurz), Capsaicin (aus Chili) und 6-Gingerol (aus Ingwerwurzel). Auch die OPCs (oligomere Proantocyanidine), die wirksamsten unter den Antioxidantien, aus Traubenkernen oder besser, Aroniabeeren oder Holunderbeeren sind jetzt stark unterstützend. Wenn du diese pflanzlichen Heilmittel für dich nutzen möchtest, kannst du dir z.B. einen Ingwer-Kurkuma-Tee mit Chili machen. Dafür nimmst du ein daumengroßes Stück Ingwer- und ein halb so großes Stück Kurkuma-Wurzel. (Tipp: Beide lassen sich mit einem Löffel am besten schälen, wenn du sie geschält bevorzugst) Schneide beides in kleine Stücke und gib sie in einen Topf. Dann übergießt du die Mischung mit einem Liter Wasser und lässt das zugedeckt einmal kurz aufkochen. Anschließend 20min ziehen lassen. Bevor du eine Tasse davon trinkst, kannst du eine Prise Chili oder Cayenne-Pfeffer hinzugeben. Dann in kleinen Schlücken heiß konsumieren. Bei Erkältungskrankheiten sind warme Speisen und Getränke sehr wohltuend, weil der Körper keine Energie dafür aufbringen muss, die kalte Nahrung auf Körpertemperatur zu erhitzen.

Zusätzlich kannst du deinen Körper mit Vitamin D3 (am Besten in der hormonellen Form) und Vitamin C unterstützen. Wenn du Vitamin C aus Nahrungsmitteln aufnehmen möchtest, musst du nicht auf Südfrüchte wie die Zitrone zurückgreifen. Die meisten Kohlsorten haben ohnehin mehr Vitamin C als Zitrusfrüchte und für uns Europäer ist es aus heimischen Pflanzen auch wesentlich leichter aufzunehmen.

Aber was kannst du tun, um die Symptome zu lindern wenn es dich voll erwischt hat?

Nahezu alle Atemwegserkrankungen sprechen gut auf Phytotherapeutika an. Bei Schnupfen, Erkältung, grippalem Infekt (Nicht zu verwechseln mit der Grippe, diese setzt viel heftiger ein und du fühlst dich wesentlich elendiger) sowie Entzündungen der Atemwege gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, den Heilungsprozess mit Pflanzenwirkstoffen zu beschleunigen und deinen Körper zu unterstützen.

 

Phytobiotika

Das sind Pflanzen, die eine antibiotische Wirkung haben, die allerdings im Vergleich zu Breitbandantibiotika wesentlich weniger Nebenwirkungen haben und gegen die man nicht resistent werden kann (Resistenz gegenüber Antibiotika stellt ein riesiges Problem dar und es gibt Thesen die postulieren, dass wir auf eine post-antibiotische Zeit zusteuern, in der all unsere Wunderdrogen nutzlos sein könnten).

Zu den Phytobiotika gehören der Knoblauch (Allium sativum), der stark keimwidrig wirkt und deshalb gerne bei Katarrhen (Entzündungen) der Luftwege eingesetzt wird. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass das im Knoblauch enthaltene Alicin ab ca. 60°C wirkungslos wird. Außerdem muss der Knoblauch „aufgebrochen werden“, sprich die Zellwände müssen zerstört werden. Anschließend muss er einige Minuten liegen gelassen werden um die volle Wirkung zu entfalten. Nur so kann sich das Alin in wirksames Alicin verwandeln. Außerdem hilfreich bei bakteriellen Infektionen sind Brunnenkresse (Nasturtium officinale) und Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) sowie die Wurzel des Meerrettichs (Armoricia rustica). Alle enthalten Senföle, weshalb eine Behandlung sechs Wochen nicht überschreiten sollte, da diese schleimhautreizend wirken. Deshalb stellt auch ein Magen-Darm-Geschwür hier eine Kontraindikation dar.

Diaphorektika

Hierzu zählen alle schweißtreibenden Pflanzen wie der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) oder die Linde (Tildia cordata). Beide können auch sehr gut am Krankheitsbeginn eingesetzt werden und schaffen es oft den Ausbruch zu verhindern.
An dieser Stelle eine kleine Anmerkung zu den beiden Pflanzen: Der schwarze Holunder breitet sich immer mehr aus, wohingegen die Linde immer seltener zu finden ist. Woran liegt das? Der Holunder liebt Stickstoff und gedeiht deswegen heutzutage geradezu, da sowohl die Luft als auch die Böden immer stickstoffhaltiger werden. Die Linde hingegen reagiert sehr empfindlich auf Umweltverschmutzung und so sterben die wunderbaren alten Linden gerade aus. Manche von ihnen waren über 1000 Jahre alt.

Antipyretika

Mädesüß (Filipendula ulmaria) oder die Weide (Salix spp.) zählen zu den fiebersenkenden Phytotherapeutika. Mit Mädesüß, auch Spierstaude genannt, wurde früher Met gesüßt. Das ist hier aber weniger relevant. Wichtiger ist die darin enthaltene Salicylsäure, also der Wirkstoff, aus dem die in „Aspirin“ enthaltene Acetylsalicylsäure gewonnen wird. Allerdings ist die Salicylsäure wesentlich besser verträglich und wirkt nicht blutverdünnend. Tee aus Mädesüßkraut und vor allem –blüten riecht wie Marzipan und senkt bei einigen Tassen pro Tag Fieber sehr effektiv. Auch die Weidenrinde versorgt uns mit Salicylsäure, allerdings spricht man hier von einer Pro-Drug, denn der enthaltene Inhaltstoff Salicin wird erst in der Leber in Salicylsäure umgewandelt. Da der Wirkstoffgehalt hier stark schwankt, sollte auf Fertigpräparate zurückgegriffen werden (z.B. Assalix). Generell sind die fiebersenkenden Antipyretika gut und sinnvoll mit schweißtreibenden Diaphoretika zu kombinieren.
Grundsätzlich ist Fieber eine sinnvolle Abwehrmaßnahme deines klugen Körpers gegen eingedrungene Erreger, denn dadurch „verbrennt“ er diese selbstständig. Dass du dich schlapp fühlst, liegt nur daran, dass dein Körper Energie für diesen Abwehrkampf abzieht. Vielleicht musst du es also erstmal gar nicht senken, sondern kannst deinen Organismus einfach mal machen lassen.  Alles was über 39°C liegt, wird als hohes Fieber bezeichnet und selbst hier schafft es der Körper meist noch, die Temperatur selbst zu regulieren, um nicht über 41°C zu kommen (das wäre ziemlich ungünstig, weil hier der Denaturierungspunkt für Eiweiß liegt und woraus sind noch mal alle körpereigenen Enzyme gemacht?…genau). Wenn du deinen Körper unterstützen willst, kannst du Omas gute alte Wadenwickel-Methode anwenden und auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr achten.

Immunstimulanzien

Zur Vorbeugung oder bei wiederkehrenden Infektionen ist es sinnvoll das Immunsystem zu unterstützen. Rechtzeitig eingenommen kann so auch der Krankheitsverlauf verkürzt werden. Das wohl bekannteste Stimulanzium stellt der Rote Sonnenhut (Echinacea purpurea) dar. Hier sind eine hohe Initialdosis und eine kurze Einnahmedauer (max. zwei Wochen) zu beachten. Auch die Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus) stärkt die Widerstandskraft. Nicht nur wir können uns mit der Wurzel, die auch Sibirischer Ginseng genannt wird für den Winter wappnen, sondern auch Rentiere, die ihn bei Winteranbruch vermehrt fressen. Auch das Kraut des roten Wasserdosts (Eupatorium perfoliatum) spielt hier, aus Nordamerika stammend, eine große Rolle. Früher hat man hier den gemeinen Wasserhanf (Euptorium cannabium) verwendet. Allerdings wirkt dieser durch hepatotoxische Pyrrolizinalkaloide schädlich auf die Leber. Zuletzt ist hier noch die Kapland-Perlagonie als immunstimulierend zu nennen, die du wahrscheinlich eher unter dem Namen Umckaloabo (Perlagorium sidoides) aus der Werbung kennst. Wörtlich übersetzt aus der Sprache der Zulu mit „starker Husten“, hilft diese auch bei selbigem und bei Tuberkulose.

Expektoranzien

Pflanzen, die den Auswurf von Schleim erleichtern haben dafür verschiedene Mechanismen: Einige bilden mehr Sekret (Sekretolytika) oder verflüssigen dieses (Mukolytika). Dann gibt es Pflanzen, die die Härchen auf der Bronchialschleimhaut reizen und damit den Transport des Schleims zu verbessern (Sekretomotorika) oder jene, die den Reinigungsprozess in den Bronchien anregen. Die Übergänge sind hier fließend und eine Kombination der verschiedenen Inhaltsstoffe ist ratsam. Auswurffördernd sind vor allem die Saponindrogen und die Ätherisch-Öl-Drogen. Zu ersteren gehören alle Pflanzen, die Seifenstoffe enthalten und damit die Magenschleimhaut reizen. Dadurch wird über den vegetativen Reflex (Nervus Vagus) der Schleim verflüssigt und die Härchenbewegung in den Bronchien angekurbelt (ist unser Körper nicht der Wahnsinn?!). Hierzu gehören der Efeu (Hedera helix), die Schlüsselblume (Primula veris), das Seifenkraut (Saponaria officinalis) – damit wurde früher Wolle gewaschen – und das Süßholz (Glycyrrhiza glabra) – das ist das, woraus Lakritze gemacht wird. Bei allen bitte auf Fertigpräparate zurückgreifen und nicht selbst etwas herstellen!

Bei den Ätherisch-Öl-Pflanzen sind vor allem die bekannten Hilfsmittel, der Thymian (Thymus vulgaris) und die Pfefferminze (Mentha piperita), zu nennen. Beide eignen sich auch gut für die Inhalation. Aber auch die Fichte (Picea abies) spielt hier mit hinein. Aus Fichtenspitzen lassen sich neben Tees auch Säfte und Sirupe herstellen. (Komm gerne einmal in einen meiner Workshops, wo wir gemeinsam Sirup herstellen)

Muzilaginosa

Gerade bei trockenem Husten können Pflanzenschleime hilfreich sein. Die bekannteste Pflanze bei Husten ist wohl der schleimhaltige Spitzwegerich (Plantago lanceolata), der „Wegbeherrscher“. Die Einwanderer haben diesen nach Nordamerika gebracht wo er sich rasch ausgebreitet hat, denn er liebt es „getreten“ zu werden, da sich seine Samen so weitläufig verteilen. Daher sein Beiname „Fußstapfen des weißen Mannes“. (Wegerich ist der Wahnsinn und ich werde ihm noch einen ganzen Blogartikel widmen, da seine vielen Verwendungszwecke hier den Rahmen sprengen würden…) Der Eibisch (Althaea officinalis), das Isländisch Moos (Certraria islandica), die Königskerze (Verbascum densiflorum) und die Malve (Malva sylvestris) sind hier ebenfalls typische Verteter. Reizmildernd bei unproduktivem Husten ist auch der Huflattich (Tussilago farfara). Sein großartiger lateinischer Name bedeutet übersetzt „ich vertreibe den Husten“. Allerdings sollte bei Huflattich eine Anwendungszeit von sechs Wochen nicht überschritten werden, da auch er die oben erwähnten Pyrrolizidinalkaloide enthält. Am besten sammelt man ihn in der Blüte da dann seine Blätter nicht mit denen der Pestwurz verwechselt werden können. Bei Schleimstoffdrogen im Allgemeinen ist ein Tee weniger ratsam als ein Mazerat – ein Kaltwasserauszug also.

Und nun zuletzt…

Bronchospasmolytika

Bei den quälenden Hustenattacken, die Erkältungen oft folgen, helfen krampflösende Mittel, die ich weiter oben schon aufgeführt habe: Thymian, Efeu und Süßholz. Auch die Pestwurz (Petasites hybridus) wirkt spasmolytisch. Da diese aber ebenfalls leberschädliche Stoffe enthält bitte auf Fertigpräparate zurückgreifen. Auch der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia) wirkt krampflösend, allerdings steht die fleischfressende Pflanze heute unter strengem Schutz. Auch hier gibt es aber Fertigpräparate.

Also du siehst schon, unsere „grünen Schwestern“ bieten uns auch bei Erkältungen reichlich Unterstützung und es ist gar nicht unbedingt notwendig, sich mit Chemie vollzuballern.

Hoffentlich ist die Immunsystem so gut in Schuss, dass du nichts von alle dem brauchst und den wunderschönen Herbstanfang einfach genießen kannst!

Alles Liebe,

Janna Raphaela